USS Abraham Lincoln SSBN-602 – Revell 1:253



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KaleuNW
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Zur Entstehungsgeschichte des Originals

Die Abraham Lincoln war ein atomgetriebenes, strategisches Unterseeboot der George Washington Klasse, die aus insgesamt fünf Booten bestand. Sie waren die ersten, mit ballistischen Raketen bestückten U-Boote. Dem Raketennamen gemäss wurden sie auch als Polaris Atom U-Boote bezeichnet.

Nebst der im Titel genannten USS Abraham Lincoln waren dies die:
SSBN-598 George Washington,
SSBN-599 Patrick Henry,
SSBN-600 Theodore Roosevelt und
SSBN-601 Robert E. Lee


Interessant ist die Konstruktionsgeschichte dieser bahnbrechenden Unterwasserschiffe. Auf Grund der positiven Erfahrungen mit der Tropfenform des Versuchs-U-Bootes USS Albacore (AGSS-569) entwarf man die Jagd-U-Boote der Skipjack-Klasse. Die neue Formgebung und der Nuklearantrieb mit nur noch einer Antriebswelle und Propellerschraube ermöglichten eine aussergewöhnlich hohe Unterwassergeschwindigkeit.

Man befand sich im Kalten Krieg und die beiden Supermächte USA und UdSSR lieferten sich einen permanenten, waffentechnischen Wettstreit. Ein mit Atomraketen bestücktes U-Boot mit stetig wechselnden Standorten war nur schwer aufzuspüren und würde den nuklearen Abschreckungseffekt enorm erhöhen.

Um dieses neue Waffensystem schnellstmöglich einsetzen zu können, wurde dem Skipjack-Entwurf ein 40 Meter langes Mittelteil für die Aufnahme von 16 Raketensilos eingesetzt. Konkret wurden dazu die beiden sich noch im Anfangsbaustadium befindlichen Boote der Skipjack-Klasse benutzt.

Bei einer Länge von 116,4 m und einer Breite von 10,1 m verdrängten die Boote 6.055 t über Wasser und 6709 t in getauchtem Zustand. Der Kernkraftreaktor betrieb 2 Dampfturbinen mit einer Maschinenleistung von 15.000 PS (11.032 kW). Dies ermöglichte eine Unterwassergeschwindigkeit bis maximal 20 Knoten. Dank des luftunabhängigen Antriebs und einer autonomen Navigationselektronik fanden Patrouillenfahrten grundsätzlich nur noch getaucht statt.

Die Bewaffnung bestand aus 16 Polaris A1 Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 2200 km. Spätere Bestückungen mit Polaris A3 verdoppelten die Reichweite um bis zu 4600 km. Als Feststoffraketen konzipiert, waren sie ohne lange Vorlaufszeit sofort abschussbereit.

Zur Selbstverteidigung waren 6 Torpedorohre 53,3 cm mit entsprechender Munition im Bug eingebaut.
Damit die Unterseeboote permanent betrieben werden konnten, waren sie mit einer Roten und einer Blauen Mannschaft, die sich im Turnus ablösten, bestückt. Weil die Reichweite Ihrer Raketen begrenzt waren, operierten sie von vorgeschobenen Basen im Atlantik sowie im Pazifik aus. Polaris Mutterschiffe ermöglichten auch eine Versorgung direkt auf See.

Das Typschiff USS George Washington SSBN-599 blieb am längsten in Dienst, von 1959 bis 1985.

Die Nachfolge wurde durch die Ethan Allen Klasse (5 Einheiten ) und die späteren drei Varianten der Lafayette Klasse (32 Einheiten) sichergestellt.

Hinweis: Allen, die mehr über die Einsatzgeschichte des Typschiffes USS George Washington SSBN 598 wissen möchten, hält Revell einen interessanten Informationstext zum Werdegang dieses Atom-U-Bootes bereit.
Siehe https://blog.revell.de/2025/allgemein/s ... dellbauer/


Das Modell

Seit 1961 wurde das Atom-U-Boot der George Washington Klasse als USS Abraham Lincoln, als Polaris Nuclear Submarine oder auch mal unter USS Patrick Henry als Schnittmodell in bis heute 13 Auflagen angeboten.
Bei einem so alten Modellbausatz ist nichts anderes als ein krummer Massstab zu erwarten, nämlich 1: 253. Immerhin, nicht weit weg vom gängigen Kartonbaumassstab 1:250.
Revell wagte es damals gar, zwei Jahre nach der Indienststellung des ersten Originals, das Boot mit einer Inneneinrichtung anzubieten. Das war natürlich der Verkaufsschlager: In die Innereien eines hochgeheimen Projekts – das sind U-Boote seit jeher – Einblick zu geben. Erstaunlicherweise soll, trotz Geheimhaltung, die Darstellung der Inneneinrichtung der Wirklichkeit sehr nahe gekommen sein.

Wie auf untenstehender Foto erkenntlich, wurde die Modelldarstellung von Revell praktisch 1:1 als Illustration in Presseerzeugnissen übernommen und ist immer noch im Internet abrufbar.

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Der Baukasteninhalt
Der Bausatz besteht aus über 150 Teilen mehr oder weniger guter Prägung, leider.

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Da es sich selbst schon um eine historische Modellgeschichte handelt, also State of the Art von damals darstellt, schlage ich vor, das Modell als modellbauerisches Zeitdokument «out of box« zu bauen, auch wenn man davon ausgehen kann, dass einiges nicht genau dem Original entspricht. Eine berichtigende Rekonstruktion würde – auch wegen der zweifellos fehlenden Unterlagen – äusserst aufwändig und letztlich kaum zielführend, bzw. befriedigend sein.

Ob man den dynamisch geformten Ständer zur Repräsentation des Atom U-Bootes benützen will, ist Geschmackssache. Ich werde darauf verzichten, da meine U-Bootsdarstellungen meist auf zwei Messingrohrstützen stehen.
Zuletzt geändert von KaleuNW am So 18. Jan 2026, 14:29, insgesamt 2-mal geändert.
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KaleuNW
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Die Bauanleitung
führt in 48 Schritten zum fertigen Modell. Da viele, auch ähnliche Kleinteile in den Innenräumen zu verbauen sind, ist es von Vorteil, sich genau an die Bauanleitung zu halten. Gut zu überlegen ist auch, wann man welche Teile bemalen sollte.

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Die Abziehbilder
Auf der Aussenhaut ist gerade mal die Nummer am Turm, evt. auch noch einer der fünf möglichen Namen am Ende des Raketendecks aufzubringen. Beides war im Einsatz nicht angebracht.


Zur Farbgebung
Ein rotbrauner Antifouling Schutzanstrich (ab Wasserlinie bei aufgetauchtem Zustand) wie bei den folgenden U-Bootsklassen ist nicht nachweisbar. Ein anthrazitfarbiger, matter Anstrich über alles ist gefragt. Der begehbare Teil des Oberdecks ist oft grauschwarz bis schwarz abgesetzt, ich vermute, dass es sich dabei um einen rutschfesten Belag handelt. Soweit gibt die farbliche Gestaltung, wie bei Kriegsschiffen üblich, nicht viel mehr her. Einzig mit quer zum Rumpf ablaufenden Schlieren und Wasserläufen also mit Verwitterungseffekten hat man die Möglichkeit, etwas Leben in die Oberflächengestaltung zu bringen. Es scheint, dass eine kurze Zeit lang die vertikalen Flächen in einem helleren Grau, möglicherweise auch in Navyblue gestrichen waren. Dies wäre eine weitere Gestaltungsmöglichkeit, allerdings ist die Faktenlage anhand damaliger Fotografien eher schwach. Sind es helle Farbteile oder ist es eher das Licht, welches die Farbgebung am Turm und dem Raketendeck aufgehellt erscheinen lässt?


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Man kann beim Innenleben aus didaktischen Gründen der Veranschaulichung mit verschiedenen Farben arbeiten (siehe Boxart der USS Andrew Jackson unten) oder sich mit einer neutralen Farbgebung (diverse Grau- und Grüntöne) der Realität annähern. Die Schnittkanten werden bei musealen bzw. grafischen Cutaway Darstellungen oft in Rot gehalten.

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24-GWK.jpg (441.6 KiB) 93 mal betrachtet
Querschnitt durch ein Polaris-Atom U-Boot



Hinweise:
Als Wasserlinienmodell in Karton wurde das Typschiff USS George Washington und seine Schwesterschiffe auch mal in 1:250 vom Jade Verlag Wilhelmshaven angeboten, übrigens mit einem Navyblue getönten Raketendeck und Turm. Wussten die Wilhelmshavener von damals mehr?

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Wer noch mehr über die strategische Bedeutung dieses neuen Schiffstyps wissen möchte, kann sich hier informieren:
https://www.youtube.com/watch?v=EaXSX4QsK5k

Auch als Modell eines Atom U-Bootes in 1:200 bei Revell (ex Renwal 1961) erschienen, ist die USS Andrew Jackson SSNM-619 (Lafayette Klasse).

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Fazit
Im Gegensatz zu den bis ins kleinste Detail akkurat gedruckten Modellformen der heutigen Zeit wird der vorgestellte Bausatz zweifelsohne ein echte Herausforderung an die handwerklichen Fertigkeiten eines jeden Modellbauers, einer jeden Modellbauerin. Es empfiehlt sich jedenfalls bei jedem Teil ein präzises Trockenanpassen, will man keine unliebsamen Überraschungen erleben. Dies gilt besonders beim Einbau der «Innereien» und beim Zusammenkleben der beiden Rumpfhälften. Hat man das geschafft, erhält man ein in jeglicher Hinsicht historisches Modell einer berühmten U-Bootklasse.

Mit Mast- und Schnorchelbruch
Wilfred


PS: Wer es möglichst farbig wünscht, der könnte die USS George Washington beim Stapellauf zeigen. Es scheint - angenommen die Foto ist kein Fake – dass Turm und Raketendeck noch den rotbraunen Schutzanstrich zeigten, als das Boot eingewassert wurde. Auch die nationalen Zutaten an Bug und Seiten tragen zum einzigartigen Bild bei!

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Weil man dazu einen geschlossenen Rumpf benötigt, empfiehlt sich dazu die MikroMir Ausgabe der USS George Washington in 1:350.

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Zuletzt geändert von KaleuNW am Sa 17. Jan 2026, 18:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Danke für die ausführliche Vorstellung :thumbup: !
Beste Grüße,
Fabian
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Ich hab tatsächlich kurz bevor die Auflage angekündigt wurde, die Revell-Classic-Version für einen Schmalen Taler geschossen und mich gefragt ob sich der Bau lohnt, nach deiner Review denke ich kann man da durchaus drüber nachdenken, insbesondere wenn das Interior sogar relativ vorbildgetreu sein soll
mit freundlichen Grüßen Andy

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