Dragon 1062 Schlachtschiff Scharnhorst (1940) 1/350

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marco_1973
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Hallo Modellfans!

Wie der/die eine oder andere sicher schon bemerkt hat, baue ich besonders gerne Kampfschiffe der Deutschen Kriegsmarine WW2. Dabei lege ich auf die historische Korrektheit großen Wert.

Bisher waren das die TIRPITZ und BISMARCK von Revell, aktuell die PRINZ EUGEN von Trumpeter.

Selbstverständlich dürfen SCHARNHORST und GNEISENAU im gleichen Maßstab (1/350) nicht fehlen. Leider gibt es für letztere noch keinen vernünftigen Bausatz auf dem Markt, angeblich soll einer irgendwann von Trumpeter kommen.

Auf Dragon‘s SCHARNHORST (SH) habe ich schon längere Zeit ein Auge geworfen. Da gibt es mittlerweile drei Varianten für unterschiedliche Ausrüstungsstände: 1040 (1943), 1036 (1941) und aktuell 1062 (1940). Eigentlich wollte ich die 1943er Variante bauen, der entsprechende Bausatz ist aber (wie auch 1036) kaum noch zum vernünftigen Preis zu bekommen.

Im Januar 21 erschien Draminskis wunderbares Buch „Battleship Scharnhorst“, welches wie schon sein „Bismarck“-Buch eine wahre Fundgrube für Modellbauer ist. Dort hat es mir der Ausrüstungsstand Februar 1942 (Operation „Cerberus“) mit den blauen Turmhauben angetan.

Keiner der 3 Dragon-Bausätze gibt diesen Rüststand her. Und wie aus dem Buch hervorgeht, gab es bei SH jede Menge Änderungen.
Ich habe mir nun den Bausatz 1062 für 105,- Euro bei ebay besorgt und möchte ihn hier und heute vorstellen. Mein Augenmerk gilt hier einerseits der historischen Genauigkeit, die dem Bausatz entsprechen soll (also 1940) und andererseits die Möglichkeiten zum Upgrade auf Februar 1942.

Ferner sollen die drei Dragon-Bausätze generell miteinander verglichen werden (die anderen beiden anhand von Anleitungen aus dem Netz).
Als Basis für die historische Korrektheit dient das bereits erwähnte Buch.

Die Umverpackung ist wie üblich sehr stabil und besteht aus 2 Teilen. Innen drin wie gewohnt alles akkurat in Folien eingeschweißt. Eine faltbare, mehrsprachige Anleitung in schwarz/weiß/blau liegt bei.
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In mehreren Beuteln befinden sind die 4 Sets mit den Fotoätzteilen. Diese wirken wie vom Hersteller gewohnt sehr filigran und bilden natürlich eine tolle Ergänzung, aber vom Umfang her können sie mit einer Platinum-Edition von Revell natürlich nicht mithalten. Was mir sofort auffiel ist das komplette Fehlen der Relings für das Haupt- und Aufbaudeck. Da ist auch laut Anleitung überhaupt nix vorgesehen! Schon mal ein dicker Minuspunkt!
Die Decals wurden übrigens mit einem freundlichen Hinweis (vom Zoll?) auf ein BGH-Urteil von 1979 komplett entfernt. Damit kann ich leben, da ich diese bei Kriegsschiffen sowieso kaum nutze.
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Der Rumpf erscheint sehr robust und besteht aus 2 Teilen, wobei der untere Teil in Sachen Details sehr stiefmütterlich behandelt wurde, er bietet keinerlei Strukturen. Es gibt keine Bugschallanlage (wie bei allen Bausatzherstellern) und kein Horchgerät (bei BS/TP-Revell wenigstens als gutgemeintes Decal). Kann man aber alles improvisieren. Schwieriger wird es mit den Auslässen für die Turbinen, die hat Dragon komplett ignoriert (3 Stück bei SH vorhanden) – bei Revell BS und TP vorbildlich dargestellt, sogar bei beiden Schiffen originalgetreu unterschiedlich. Was auch fehlt ist die MES-Kabel-Schleife am Rumpf (beispielsweise bei PG-Trumpeter mit dargestellt).
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In der Rumpfverpackung befindet sich auch etwas sehr Seltenes, zumindest bei anderen Bausatz-Herstellern. Sogenannte Blastbags oder Rohrhosen aus Weichplastik für die schwere und mittlere Artillerie liegen hier bei. Man hat die Wahl, mit oder ohne diese darzustellen. Ein Pluspunkt für Dragon!
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Die Gussäste sind sehr filigran gearbeitet und erfordern nur äußerst geringen Nachbearbeitungsbedarf. Selbst die Geschützrohre der 28er, 15er und 10,5er sind sehr fein und detailliert, so dass man nicht zwingend auf Messing-Pendants zurückgreifen muss.
Weniger beeindruckend ist die Darstellung der Holzdecks, einzelne Planken sind hier (wie beispielsweise bei Revell) nicht umgesetzt. Auch die Ausarbeitung von Bullaugen, Fenstern, Türen, Handläufen, Leitern finde ich persönlich beispielsweise bei Trumpeter besser gelungen. Die Abgasrohre am Schornstein erscheinen mir etwas mickrig.

Diese eher negativen Dinge tangieren mich aber weniger, da ich diese Sachen sowieso mit Ätzteilen aus dem Zubehörmarkt überarbeiten werde. Ferner werde ich mir Holzdecks beschaffen.

Übrigens finde ich den Ständer ganz passabel, leider ohne ein Namensschild.
Ankerketten scheinen auch nicht so das Thema bei Dragon zu sein, hier gibt es nur eine Ätzteillösung, ist aber nicht so mein Ding. Zum Glück werden bei den Holzdeck-Sets meistens Ankerketten mitgeliefert.
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So das war erstmal der Bausatz 1062 nach „Out-of-the-Box“-Betrachtung.

Unterschiede der Bausätze 1040, 1036 und 1062

Für 1036 und 1062 kann ich keinen Unterschied im Lieferumfang der Bauteile entdecken, lediglich die Bauanleitung wurde angepasst.

1040er:
- Gussast A nur 2x statt 3x (betrifft Hauptgeschütze, da nur 2x mit E-Messer benötigt)
- Gussast J zusätzlich vorhanden, 2x (betrifft Torpedorohrsätze)
- Gussast Q fehlt (betrifft Arado, dafür einige Figuren beiliegend)
- Gussast T fehlt (Admiralsbrücke, Vormars, Kutterdavits u.a.)

Könnte man mit dem Bausatz 1062 auch die 1943er SH darstellen? Grundsätzlich ja, aber die Torpedorohrsätze fehlen und müssten improvisiert werden.

Könnte man mit dem Bausatz 1062 auch die 1941er SH darstellen? Grundsätzlich ja, aber man muss sich die entsprechende Anleitung besorgen.
Ich gebe aber keine Garantie, meine Referenz sind nur die ersten Seiten der Bauanleitungen, auf denen die Bauteile/Gussäste abgebildet sind.

Fehler im 1062 für Ausrüstungsstand 1940, teilweise auch generell:

- Bugschallanlage und Horchgeräte nicht berücksichtigt
- MES-Kabelschleife in Höhe Seitenpanzer nicht berücksichtigt (im Sommer/Herbst 40 angebracht; muss nicht zwingend für 1940, fehlt aber auch für 1941/43)
- Turbinenauslässe hinten am Schlingerkiel fehlen (1x stb., 2x bb.)
- 9,2 m Motorpinasse fehlt, stattdessen zusätzliches 11,5 m Chefboot vorhanden
- Schornsteinplattform ist nur die längere Variante ab Ende 1941
- Nacht-E-Messer mit Schutzschild (1940 noch ohne)
- Vormarsplattform gegenüber 1943er zwar unterschiedlich, aber falsch (diese ist für 1939)
- Keinerlei Rettungsflöße vorhanden (für 1940 korrekt, für 1941/43 nicht)
- Davits und Bereitschaftskutter, sowie Namensschild schon Ende 1939 entfernt
- Barbettenlüfter an Turm B erst im Herbst 40 eingebaut
- Flugzeugkatapult und Kran an Turm C bereits im März 40 ausgebaut (also nicht unbedingt falsch)
- 2. Wellenbrecher wurde erst Ende 40 umgebaut
- FuMO22 auf Vormars-Haube seit Ende 39 fehlt (nur in Bauanleitung, Ätzteil vorhanden)

Das ist das, was mir auf die Schnelle aufgefallen ist…kann noch mehr zum Tragen kommen.

Upgrade auf Februar 1942

Was fehlt, was muss improvisiert werden…
- Bugschallanlage/Horchgeräte/MES: Scratch wie bei meiner TP+BS
- Turbinenauslässe: Scratch
- 9,2 m-Motorpinasse: wird ein Problem…eventuell Scratch oder weglassen
- Vormarsplattform: Scratch unter Verwendung der 39er und 43er
- Rettungsflöße (15 Stück): Scratch
- FuMOs: eventuell von anderem Hersteller wie Flyhawk oder KA-Models
- Leichte Flak, 1xVierling mehr benötigt: gibt der Bausatz her, werde aber Veteran-Sets verwenden (Achtung, unterschiedliche Typen: 4x C/38 und 2x C/35).
- Torpedorohrsätze und Lagerkästen: Fullscratch wie bei meiner TP und PG
- Admiralsbrücke (Nocken wurden Anfang 42 gekürzt), Improvisation der beiden vorhandenen
- Beobachtungsstand auf Vormars-E-Messer: Scratch
- Problem fehlende Reling: zusätzliches PE-Set von KA-Models scheint das zu lösen
- Turm A mit dichtgesetztem E-Messer (im Bausatz vorhanden)
- Plattformen für Flakvierlinge auf vorderen 15ern: Scratch

Mehr fällt mir erstmal nicht ein.

Fazit

Auf alle Fälle ein schöner Bausatz, aus dem man viel machen kann. Mit über 100 € schon im oberen Preissegment, i.d.R. derzeit noch um die 150 € zu haben. Fürchte, auch er wird wie die anderen beiden bald vergriffen sein.

Positiv:
+ Sehr filigrane und detaillierte Spritzteile
+ robuster Rumpf
+ beiliegende Ätzteile
+ beiliegende Blastbags
+ Teile auch für 41er Version vorhanden

Negativ:
- Rumpf eher detailarm, einige Teile unterschlagen
- Großteil der Reling nicht vorgesehen
- einige historische Patzer (das meiste wird aber nur echten Insidern auffallen)
- kaum Farbangaben
- kein Takelplan vorhanden
- Ankerketten nur als Ätzteile

Zur Passgenauigkeit kann ich nichts sagen, aber nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Dragon wird sie wahrscheinlich top sein.

Bis denne,
Zuletzt geändert von marco_1973 am Mo 21. Jun 2021, 06:51, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße von Marco
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ModellfreakDD
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Ein toller Bausatz. Ich habe vor 2 Jahren die 43er Version mit dem Flyhawk Deluxe Set und Holzdeck zusammen für 200 € auf EBay bekommen und hoffe nächstes Jahr auch endlich mal mit dem Bau beginnen zu können. (ich hoffe natürlich, dass ich mir viel von dir abgucken kann) :D

Was ich noch weiß ist, dass bei der 43er Version des Bausatz keine Arado Bordflugzeuge dabei sind. Dafür aber 8 kleine Matrosen...

Ich kann die Firmenpolitik von Dragon nicht nachvollziehen, warum man die Bausätze nicht permanent beziehen kann. Da wird der einmal Hergestellt und wenn weg dann weg. Da kann man doch kein Geld verdienen. Kein Wunder das diese Firma immer mehr ins abseits geraten ist...
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Klasse Vorstellung!
Das sind ja hunderte Teile. Nicht schlecht. Wenn Du sie zum Bauen beginnst, bin sicher Zuschauer.
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