In Memoriam Pilatus PC-6 Porter „Yeti“

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KaleuNW
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Das Originalflugzeug und der Dhaulagiri
Nachdem sich in den Fünfzigerjahren mehrere Expeditionen aus Argentinien, Österreich und der Schweiz vergeblich aufgemacht hatten, den einzigen noch unbestiegenen Achttausender, den 8222 m hohen Dhaulagiri, zu erobern, plante der Luzerner Max Eiselin eine erneute Expedition zu den eisigen Riesen Nepals. Diesmal sollte der Weg über den Nordostsporn zum Erfolg führen. Um den gefährlichen und mühsamen Anmarsch abzukürzen, beschloss man, für den Personen- und Materialtransport ein Flugzeug einzusetzen. Ein auf der Anmarschroute auf über 5000 m liegendes Hochplateau sollte als Gletscherflugplatz dienen.

Als der damals bekannten Gletscherpiloten, Herrmann Geiger ein neues Flugzeug, den in der Zentralschweiz, im nahen Stans, entwickelten Pilatus-Porter PC-6 erfolgreich testete, wurden die Initianten der geplanten Dhaulagiri Expedition auf das neue, heimische Produkt aufmerksam.

Der Porter – später auch als Jeep der Lüfte bekannt – war ein robustes Mehrzweckflugzeug mit aussergewöhnlichen STOL Eigenschaften. Für den Start genügte eine Strecke von 300 m, für die Landung nur gerade 100 m. Die Reisegeschwindigkeit betrug 210 km/h, die Reichweite lag bei 1200 km. Das Flugzeug konnten bis zu 11 Personen oder Material bis 1200 kg transportieren. Um Zuverlässigkeit und Leistung zu steigern, wurde der Kolbenmotor später durch eine Turbine von Pratt & Whitney ersetzt.

Der für die Expedition auf den Namen „Yeti“ getaufte Porter konnte mit Skiern ausgerüstet werden und trug einen auffallend gelb-roten Anstrich. Mitte März 1960 wurde das Flugzeug nach dem Überflug der Alpen über Rom, den Nahen Osten über Pakistan und Indien zur nepalesischen Grenze geflogen. Pokhara wurde zur Transportbasis für die Gletscherflüge unter den Dhaulagiri. Anfänglich funktionierten diese Transporte reibungslos – mit den Landungen auf über 5600 m wurde ein neuer Rekord erreicht – bis ein Zylinderkopf am Kolbenmotor barst. Mit einer Notlandung konnte das Flugzeug gerettet werden. Ein neuer Motor wurde samt Mechaniker direkt ab Werk aus der Schweiz eingeflogen. Nach drei Wochen konnten die Transportflüge wieder aufgenommen werden. Doch schon zwei Tagen später stürzte der „Yeti“ endgültig ab. Beim einem Startvorgang hatte sich die Gummimanschette des Steuerknüppels gelöst, der Pilot verlor dadurch kurzzeitig die Kontrolle über das Flugzeug, das darob kopfüber abstürzte. Die beiden Piloten kamen mit dem Schrecken davon, der Flieger aber war endgültig dahin.

Trotz des Verlustes wurde das Vorhaben, erstmals den Dhaulagiri zu besteigen, nun unter erschwerten Bedingungen erfolgreich fortgesetzt. Der Expeditionsleiter Max Eiselin berichtet: Glücklicherweise blieb das Wetter gut. Im Süden brodelte ein Nebelmeer, gebildet durch die thermische Bewölkung, im Norden herrschte wolkenloses Wetter bis weit nach Tibet hinein. Um halb ein Uhr mittags wurde endlich der höchste Punkt des Dhaulagiri, 8222 m, erreicht. Es war Freitag, der 13. Mai 1960, an dem unsere 13köpfige Expedition den 13. Achttausender in die Reihe der bestiegenen Achttausender zu stellen vermochte.


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Die Replika im Massstab 1:1
In Erinnerung an den im Himalaya verbliebenen „Yeti“ wurde am 14. Januar 2022 ein restaurierter Pilatus Porter in der ursprünglichen Kolbenmotorversion in der Bemalung des damaligen Expeditionsflugzeuges wieder startbereit gemacht.



Das Modell im Masstab 1:72
Beim Durchstöbern des Schreiber Kataloges stiess ich zufällig auf das Free Download Card Model des Pilatus Porter PC-6 YETI. Sofort erinnerte ich mich wieder an die zuvor beschriebene Expedition und den Einsatz dieses legendären Flugzeuges.

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Bei näherer Betrachtung stellte ich fest, dass es sich um ein sehr vereinfachtes Modell handelt, was auch den Free Download erklärt. Flügel, Streben und Fahrwerksbeine bestanden nur aus verdoppeltem Karton, auch die Räder waren nur „flach“ ausgebildet, die Auspuffanlage fehlte gänzlich. Da fühlte ich mich herausgefordert, die Vorlage etwas aufzupeppen. Die Flügel, das Höhen- und Seitenleitwerk wurde mit einem Profil versehen, Stützstreben und Fahrwerksholme in 3D hergestellt und mit Rädern aus der Restenkiste ergänzt. Die neue Flügelkonstruktion hatte leider zur Folge, dass das Frontfenster, welches sich im Original aus dem Flügel herauswölbt, zu hoch wurde. Das war dann aber der einzige Makel, den ich, wollte ich die vordere Rumpfhälfte nicht total umkonstruieren, in Kauf nehmen musste.

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So würde es aus dem Bogen geschnitten aussehen.


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… und hier mit einigen Modifikationen aufgepeppt.


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Zum Schluss noch eine Gegenüberstellung der beiden Porter in unterschiedlicher Ausführung,
die ein paar Stunden besten Bastelspass boten.


Aus der Werft
Wilfred
Zuletzt geändert von KaleuNW am So 14. Jan 2024, 09:14, insgesamt 3-mal geändert.
Kein Wind ist demjenigen günstig, der nicht weiß, wohin er segeln will.
Michel de Montaigne (1533 - 1592)

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eydumpfbacke
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:clap: :respekt: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:
Es grüßt der Reinhart
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Simitian
Beiträge: 4600
Registriert: So 7. Okt 2018, 19:02
Wohnort: Wesermarsch

Moin Wilfred,
erstaunlich was man aus Papier alles zaubern kann :clap: :clap: :clap:

Und deine Exkursionen, bezüglich geschichtliche Hintergründe,
finde ich immer sehr schön und lesenswert :thumbup:

MfG
Jan
Derzeitiges Projekt: M35 (ADGZ-Daimler) in 1:35 von Hobby Boss.
Aus Prinzip, finden die Bemalungen meiner Modelle nur mit Pinsel statt.

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