Tutorial: Wash, für was brauch ich das?

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Aktvetos
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Einleitend:
Was macht ein Modell, egal welches, erst so richtig lebendig und somit den Unterschied zu Spielzeug?
Hauptsächlich durch die Tiefe. Wie entstehen Tiefeneffekte in unserer Umgebung? Durch Licht und Schatten.
Bei Modellen ist es nun so, das viele Tiefen nicht tief genug sind um eigene Schatten zu erzeugen. Sei es nun der Türspalt bei einem Automodell oder die Niete an einem Panzer. Real würde dort ein Schatten sein oder geworfen werden. Also simuliert man diesen Umstand mit einem Wash oder einem Preshading. Hier gehe ich auf Wash ein.

Was ist ein Wash?
Kurz und knapp: Stark verdünnte Farbe. Es gibt kein festes Mischungsverhältnis. Je nach dem wie stark man den Effekt haben möchte, verdünnt man mehr oder weniger.

Wie funktioniert ein Wash?
Durch die Kapillar Wirkung zieht die Flüssigkeit, die Farbpigmente in Fugen, Kanten oder Vertiefungen. Um unschöne Ränder zu vermeiden kann man die Oberflächen Spannung bei Wasserbasierten Washes mit ein paar Tropfen Spüli brechen und die Kapillarwirkung damit unterstützen. Für Email gibt es sicher auch etwas, damit arbeite ich aber nicht. Da kommen sicher noch Ergänzungen.

Mit was kann ich Washes selbst machen?
Eigentlich mit allen Farben, Acryl, Email, Ölfarben, Pigmente. Nur das Verdünnungsmittel ist dann eine anderes.
Auch hat wohl jede Basis seine Vor und Nachteile. Ölfarben sind wohl die Anfängerfreundlichsten, weil sie Fehler verzeiht, die wenigste Oberflächen Spannung hat und aufgrund der Verdünnung und auch leicht zu entfernen ist sollte etwas schief gehen.

Welche Farben verwende ich für ein Wash, abhängig von meiner Modellfarbe?
Kurz und knapp, zwei Möglichkeiten. Schwarz(neutral für jede Farbe) oder die Grundfarbe des Modells, stark abgedunkelt.
Was macht ein Schatten? Er verhindert das ausreichend Licht an eine Stelle kommt, im Gegensatz zur restlichen Umgebung die komplett ausgeleuchtet wird. Einfach mal seinen eigenen Schatten auf der Strasse ansehen und die Farbe des Asphalts vergleichen. Dort wo dein Schatten hin geworfen wird, scheint der Asphalt dunkler als an Stellen wo er restlos ausgeleuchtet ist.
Anbei eine Grafik die einen Schatten simulieren soll und zeigen, wie sich Farben damit verändern können. Wie erwähnt, die Stärke des Schattenwurfes bestimmt man selbst, mit dem Grad der Verdünnung der Farbe.
Auch zeigt die Grafik wie sich die Farben mit einem schwarzen Wash verändern ODER, welche Farbe man als Wash Alternativ verwenden kann. So wird aus Rot, dunkelrot und so weiter.

Bild

Welche Arten von Wash gibt es und für welchen Einsatz?
Die gebräuchlichsten zwei Arten sind wohl ein Komplett Wash eines Modells oder ein Pinwash.
Pinwash: Es werden nur die Stellen behandelt wo das Wash wirken soll. Also in einer Autotüren Fuge, bei einer Niete o.Ä.
Welche Art man einsetzt hängt stark vom Modell ab. Eine Figur kann man gern mal komplett mit einem Wash einpinseln. Bei einem Hochglanz Auto ist das wohl eher Kontraproduktiv, hier greift man eher zum Pinwash.
Sollte man sich für ein Komplett Wash entscheiden, muss man einplanen das die gesamte Grundfarbe des Modells verändert wird. Es wird ja wie auf der hier gezeigten Grafik, ein Filter darüber gelegt. Einiges kann man vor dem restlichen trocknen entfernen. Je nach Basis mehr oder weniger gut, aber die Grundfarbe wird sich zwangsläufig verändern. Hier nochmal zu erwähnen: Ölfarben verzeihen viele Fehler.

Wash kann auch für Preshading verwendet werden.
Besonders bei Figuren in Verbindung mit weiterer Airbrush Arbeit kann das sehr schöne Effekte erzeugen. Aber funktioniert natürlich auch bei anderen Modellen mit stark ausgeprägten Fugen, Kanten und Vertiefungen.
Beispiel hier:
https://www.youtube.com/watch?v=pF-x0KSq25o&t=736s

Das war eine grobe Einführung in das Thema Wash und richtet sich vorwiegend an Anfänger. Sicher auch nicht vollständig, aber ein Denkansatz und Plattform für weitere Fragen, Ideen, Anregungen und Möglichkeiten zu diesem Thema.
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autofix
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Danke für diese ausfürliche Aufklärung. :thumbup:
Selbst ist der Mann ... eh die Frau oder... Sie wissen, was gemeint ist!
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Aktvetos
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Gerne :)
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CaptainMeat
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Hi Aktvetos,

sehr schöner Ansatz ,der dem Anfänger gewiss ein wenig weiter hilft :thumbup: :respekt:

Habe mal einen Bemalungsguide auf Panzer-Modell zum Download als PDF und auch auf deren Seite gefunden . Ist schon sehr ausführlich gemacht aber mit Sicherheit auch nicht Allumfassend.
https://www.panzer-modell.de/tipps/Bemalungsguide.pdf
Zuletzt geändert von CaptainMeat am Do 19. Jan 2023, 12:16, insgesamt 1-mal geändert.
LG Ralf

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Aktvetos
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Sehr gute Ergänzung, danke :)

Aber eines pick ich mir mal raus, ich kanns mir nicht verkneifen, nicht böse nehmen aber es passt zum Thema ;)
.......
Wenn man auf die richtigen Kombinationen von Farben und Verdünnern achtet, dürften
eigentlich keine nennenswerten Probleme zu erwarten sein. Glauben Sie allerdings nicht an das
Märchen der gut durchgetrockneten Farben. Viele Quellen geben an, dass man dann auch mit
Enamel auf Enamel, bzw. Acryl auf Acryl arbeiten könnte. Mein erster Washing Patient war ein
Tiger, der bereits ein Vierteljahr fertig bemalt war, bevor ich mich entschloss einmal „das mit
dem Waschen“ auszuprobieren. Selbst nach dieser Zeit wurden die Enamel Farben des
Modells noch extrem angegriffen!
........
Nun, hier mach ich Acryl auf Acryl, die Trocknungszeit war wenige Stunden. https://www.youtube.com/watch?v=pF-x0KSq25o&t=736s und nix passiert das ich nicht will. Kurz: Die Grundfarbe wurde nicht angegriffen. Also frage ich mich nun, erzähle ich Märchen? Ist ein Video als Gegenbeweis nicht genug? :D
Was ist hier passiert? Ich habe die Alkoholbasierte Acrylfarbe einfach mit WASSER verdünnt und somit dem Wash die Basis(Alkohol als Verdünnung und Lösungsmittel) zu einem großen Teil entzogen, die die Grundfarbe angreifen kann.

Was will ich damit sagen?
Man wird nie ein Thema restlos abhandeln können. Nie auf jedes mögliche Szenario eingehen können und beim schreiben daran denken. Noch weniger ersetzen solche Leitfäden und Erklärungen die persönliche Erfahrung.
Mein bevorzugtes Wash ist dennoch Ölfarbe auf Acryl. Das sind zwei so unterschiedlichen Basen, das man tatsächlich auf der sicheren Seite ist. Und trotzdem schließe ich nicht aus, das auch hier mal was schief gehen kann.
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CaptainMeat
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Hey Rainer,

wollte damit Dein Tutor nicht schlecht machen ! Der von Panzer ist ja nun auch schon 10 Jahre alt und wie ich schrieb nicht der Weisheit letzter Schluß. Es ändert sich im Laufe der Zeit so viel . Die Farben und deren Zusammensetzung Pinsel und Airguns . Dazu neue Lösungsmittel und Verdünner .
Ein Rezept oder einen genauen Leitfaden wird es nie geben können. Das kann einen immer nur unterstützen und ggf andere Denkansätze geben .
LG Ralf

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Aktvetos
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Nein, nein, hab ich so nicht gesehen! Nicht missverstehen.
Es war für mich nur der beste Beleg dafür, das nichts über persönliche Erfahrungen geht. Und es keine "Märchen" gibt oder die einzige Wahrheit und Weg. Genau so etwas will ich ja, Themen, Erfahrungen und Diskussion darüber. Genau von sowas profitiert man als Neuling, wenn man solche Threats durch liest. Die Kernaussage für mich bleibt immer: Probieren, probieren und nochmal probieren. Was bei einem klappt muss bei einem anderen nicht klappen und umgekehrt. Seinen Weg findet man nur durch das testen.
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Simitian
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Moin Rainer,
schöne Anfangserklärung zu dem Thema :thumbup:

MfG
Jan
Derzeitiges Projekt: KFK Kriegsfischkutter in 1:350 von ICM
Aus Prinzip, finden die Bemalungen meiner Modelle nur mit Pinsel statt.

Jan's Modellbau- Portfolio
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derboesewolfzdf
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Ich hab das jetzt mal an einem billigflieger ausprobiert.... ich versteh jetzt was passiert, aber es sieht fürchterlich aus. Macht man das washing erst nach dem Klarlack,?
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Aktvetos
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Was, wie und mit was hast probiert?
Ein Komplett Wash oder Pinwash? Basis?
Aber ja, es hilft vor allem Anfängern, zuerst mal eine Schicht Glanzlack aufzusprühen. Warum? Es macht die Oberfläche glatter und das Wash kann leichter fließen.

Und ja, auch Wash gehört geübt. Wie viel, wo, mit was... Das ist eben der Weg. Ich washe ja eigentlich fast alles, wie man in meinen Berichten sehen kann. Und das ohne Glanzlack. Klappt nicht immer, aber doch zu einer sehr hohen Prozentrate.
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