Baubericht des "Big Boy" - Revell 1:87

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ModellfreakDD
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Mi 13. Jun 2018, 19:42

Hallo liebe Modellbaufreunde,

anlässlich des 6. Revell Community Wettbewerbs, habe ich mich entschlossen mit dem Bau des "Big Boy" von Revell in 1:87 zu beginnen. Dieser Bausatz liegt schon seit 5 Jahren bei mir im Keller bereit, um endlich gebaut zu werden und ich finde dieser Wettbewerb ist die ideale Gelegenheit, um mal seine eigenen Modellbaufähigkeiten richtig entfalten zu können.

Die Geschichte:

Der "Big Boy" der eigentlich schlicht Union Pacific Railroad (UP) Class 4000 heißt, wurde aus dem Vorgänger UP Class 3900 Challenger entwickelt. Der Name Big Boy wurde von einem unbekannten Mitarbeiter der ALCO mit Kreide auf die Rauchkammer geschrieben. Die Bezeichnung bürgerte sich schnell für die Lokomotiven der 4000er Klasse ein.

Der Big Boy war eine der größten und leistungsfähigsten Dampfloks der Welt, allerdings nicht die größte der Welt. Denn sie wurde in allen Merkmalen, die für einen Größenvergleich herangezogen werden können wie Länge, Zugkraft, Masse und Leistung, im Einzelnen jeweils von anderen Lokomotiven überboten. Nichtsdestotrotz ist sie eine Legende und Beeindruckend allemal. Für die Nachwelt sind noch 8 Exemplare erhalten und es gibt Bemühungen einen Big Boy (4014) wieder Fahrbereit zu bekommen.

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Insgesamt wurden 25 Exemplare des Typs von der American Locomotive Company (ALCO) gebaut, 20 im Jahre 1941 und fünf im Jahr 1944.

Die Lokomotiven wurden von der Union Pacific Railroad speziell für den Einsatz vor Güterzügen in den Rocky Mountains konzipiert, um den personalintensiven Einsatz von Vorspann- und Schiebelokomotiven auf den Steigungsstrecken zu vermeiden. Der schwierigste Abschnitt auf der Transkontinentalstrecke der Union Pacific war eine langgezogene Steigung über den Sherman Hill (Wyoming) mit einer max. Steigung von 15,5 ‰. Die neuen Lokomotiven sollten Züge mit 3300t ohne Vorspann- oder Schiebelokomotive über diese Steigung bringen, aber auch schnell genug sein, um die gesamte Strecke zwischen Cheyenne (Wyoming) und Ogden (Utah) ohne Lokwechsel befahren zu können.

Aus den geforderten Leistungsdaten ergab sich eine Gelenklokomotive mit der Achsfolge (2’D)D2’ h4 (Whyte-Notation: 4-8-8-4). Keine andere Lokomotive wurde je mit dieser Achsfolge gebaut.

Mit einem Gesamtgewicht von 548,3 t und einer höchsten Dauerleistung von 6290 PS am Zughaken (bei 48 km/h) gehören die Maschinen der Reihe 4000 zu den schwersten und leistungsfähigsten je gebauten Dampflokomotiven und mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 112 km/h (70 mph) auch zu den schnellsten Gelenkdampflokomotiven. Die Konstruktion war sogar für 129 km/h ausgelegt, um eine hohe Sicherheitsreserve zu bieten.

Um die Lokomotiven einsetzen zu können, musste die Strecke an mehreren Stellen umgebaut werden. Fast jeder Bogen wurde neu trassiert, damit sich zwei Lokomotiven der Reihe 4000 begegnen konnten. Ferner wurde der Oberbau verstärkt.

Von 1941 bis 1957 wurden die Lokomotiven regelmäßig im Güterverkehr vor Güterzügen eingesetzt. Im westlichen und anspruchsvolleren Streckenabschnitt über die Wasatch Mountains zwischen Ogden und Green River wurden die Big Boys zuerst von den Gasturbinenlokomotiven der Union Pacific Railroad abgelöst. Es verblieb der Streckenabschnitt über den Sherman Hill von Green River nach Cheyenne. Der letzte von einem Big Boy gezogene Zug fuhr im Jahre 1959. Jede einzelne der 1941 bzw. 1944 gebauten Lokomotiven legte insgesamt eine Strecke von mehr als 1,6 Millionen Kilometern zurück.
Der Big Boy erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen voll und ganz. Und um das ganze auf einen Punkt zu bringen, noch ein Zitat aus einem zeitgenössischen Film (Last of the Giants): "Lucky the boy who one they could say he have seen them in action!" - "Glücklich der Junge, der sagen kann, sie in Aktion erlebt zu haben!"



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Das Modell:

Das Modell des Big Boy wurde von Revell 2003 wieder auf den Markt gebracht. Die Formen selber stammen aus dem Jahr 1984, damals aber unter dem Label von Monogram.
Jetzt könnte man meinen das ein Modell aus dem Jahr 1984 nicht sehr Detailreich oder ungenügende Passfähigkeit aufweist, aber hier wird man positiv überrascht. Zwar gibt es einige Schwachpunkte, über die ich noch im Baubericht eingehen werde, aber im großen und ganzen sind die Teile sehr fein und aufwendig verarbeitet, vor allem im sichtbaren Bereich, wie Nieten, Räder oder auch die Kohledarstellung.

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Die Teileanzahl bleibt überschaubar mit 87 Teilen aus schwarzem Kunststoff, wobei viele Details schon am Kessel angegossen wurden. Das macht das ganze sehr Anfängerfreundlich.
Die Decals/Abziehbilder sind (wie immer) sauber gedruckt und bietet Markierungen für 2 unterschiedliche Maschinen.
Hier hätte ich mir allerdings 1 oder 2 Markierungen mehr gewünscht.

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Die Bauanleitung führt im alten Revellstil in 40 Schritten zum Ziel.


Der Zusammenbau:


Als erstes startete ich mit dem Beweisfotos.
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Danach folgte die Bemalung der Kesselrückwand über alles mit schwarz, gefolgt von einem Trockenmalen mit weiß, um die erhabenen Strukturen und Manometeranzeigen hervorzuheben. Diverse Hebel und Stellräder bemalte ich nach Originalvorlage in rot.
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Jetzt kommt der größte Minuspunkt des Big Boys von Revell. Wahrscheinlich dem Alter oder der Einfachheit geschuldet, hatte man sich damals wohl entschieden die Handläufe am Kessel anzumodellieren, was leider einen unschönen Eindruck für das fertige Modell wiedergibt. Besser wäre es gewesen dieses Teil zumindest ankleben zu lassen. Also weg damit.
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Hierfür schnitt ich mit einer scharfen Klinge ober- und unterhalb entlang des Handlaufs direkt am Kessel eine Ritze ein. Jetzt kann man den anmodellierten Handlauf mit einer Zange ganz einfach weghebeln !!! aber noch nicht wegschmeißen. Den Handlauf benötigen wir später noch als Schablone. Überbleibsel am Kessel müssen jetzt noch weggeschnitten und mit Schleifpapier versäubert werden.
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Danach habe ich das Modell nach Anleitung zusammengebaut. Der Bau verlief ohne weitere Schwierigkeiten und geht zügig von der Hand.
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Leider hat bei mir diese Art Flügelmutter gefehlt, wodurch ich die Lok nicht lenkbar gestalten konnte.
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Denn ein großer Vorteil der Lok ist, das man mit ein wenig Bastelarbeit die Lok beweglich gestalten kann und vielleicht sogar auf einer Modellbahnanlage einsetzen könnte. Z.B im Schlepp durch eine Diesellokomotive.

Und so sieht die Lok fertig zusammengebaut aus:
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Der Pilot (Kleine Rampe vor dem Kessel über dem Kuhfänger) habe ich erstmal nur lose für das Foto draufgesetzt.

Nun folgt der Nachbau des Handlaufs. Mit einem Stift habe ich mir die Positionen der Halterungen am Kessel mit dem abgetrennten Revell Handlauf verglichen und dementsprechend am Kessel markiert und aufgebohrt.
Im Bastelladen habe ich mir dünnen Draht 0,3 und 0,4 mm besorgt.
Den 0,4 mm Draht habe ich dann entsprechend des Abstands zum Kessel abgetrennt und in die Bohrungen geklebt.
Der Kessel verläuft nicht Zylindrisch sondern wird zur Mitte hin dicker, weshalb die Länge der Halterungen unterschiedlich ist.
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Danach habe ich mir den 0,3 mm Kupferdraht mit einer Zange gerade gezogen, nach Originalbildern zurechtgebogen und auf die Halterungen geklebt.
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Natürlich bekommt auch die Rauchkammertür (Vorne wo man den Kessel öffnet) noch Handläufe aus Draht.
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Danach ersetzte ich die Handläufe am Pilot durch Kupferdraht.
Um die Wulst bei den Verbindern nachzubilden, habe ich Alufolie in dünne Striefen geschnitten und die Stellen umwickelt und verklebt.
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Weiterhin habe ich noch einige Leitungen am Kessel und Tender ersetzt und fehlende Handläufe am Führerstand und Tender ergänzt. Aus heißgezogenem Kunststoff habe ich dünne Handläufe auf den Sandkästen (die 2 viereckigen Kästen oben auf dem Kessel) und dem Kuhfänger geklebt.

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Auf dem folgendem Bild sieht man sehr schön den Vergleich zu den Kunststoffteilen.
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Nun ist das Modell fertig für...

Die Bemalung:

Um einen realistischeren Effekt zu erzielen, lackierte ich als erstes alle großen Flächen scheckig und unregelmäßig mit weiß (schwarz-weiß Methode). Dabei darauf achten, dass die Flächen die der Sonne zugewandt sind heller lackiert werden als z.B. die Seitenbereiche.
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Ein Grundieren habe ich mir erspart, weil ich kein Freund von Grundierung bin und der Kunststoff schon idealerweiße schwarz ist. Außerdem decken und haften die Farben von AK Interactive auch auf Metallteilen sehr gut.

Danach überzog ich die Lok mit einem mattem Schwarz. Idealerweiße werden Dampfloks Seidenmatt lackiert, aber ich möchte zum Schluss einen staubigen Eindruck erzielen.
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Es folgt die Bemalung des vorderen Kessels und der Seitenteile vor dem Führerhaus mit einer Stahlfarbenen Paste aus dem Hause AK Interactive. Diese Paste verwendete ich das erste mal. Der Vorteil die Paste ist, das man es nach dem Durchtrocknen mit Watte, Stoff oder dem Finger polieren kann.
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Jetzt sollte man die Decals/Abziehbilder aufbringen. Dazu die entsprechenden Stellen mit Glanzlack bemalen und trocknen lassen, Decal aufbringen (Idealerweiße mit Weichmacher) und trocknen lassen. Wieder Glanzlack über dem Decal aufbringen und trocknen lassen und zum Schluss alles mit mattem Lack versiegeln. Alles klar? ;) Somit verhindert man das Silbern (die unschönen transparenten Teile) der Decals.
Jetzt habe ich mit verdünnten braunen Ölfarben Regenablaufspuren auf der Lok immitiert. (Ich habe das mit den Decals und den Regenablaufspuren dummerweiße genau anders herum gemacht, aber das ist ja zum Glück nix, was man nicht nachträglich kaschieren kann.)
Als nächstes folgt ein Trockenmalen aller erhabenen Teile mit weiß. Dazu nehme ich weiße Ölfarbe mit einem Pinsel auf und wische die Farbe gleich wieder auf einem Tuch ab, bis möglichst keine Farbe mehr am Pinsel ist. Jetzt geht man über alle erhabenen Stellen auf der Lok. Das betont die vielen unzähligen Nieten und Kanten und sorgt für ein realistischeren Eindruck.
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Nach dem Trockenmalen das Modell einen Tag trocknen lassen und alles mit einem transparentem Lack (je nach Wunsch Matt/Seidenmatt/Glanz) lackieren. Sonst ist die Arbeit des Trockenmales schnell wieder weggewischt.
Zum Schluss lackierte ich die Lok im Bereich des Laufwerks mit verdünntem erdfarbenen Lack, um Staub zu immitieren und malte mit einem Bleistift die Laufflächen der Räder nach, um metallischen Glanz der Reibeflächen zu erzeugen.

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Das Diorama:


Als erstes steht die Idee und danach folgt leider die Wirklichkeit: nämlich die eigentliche Umsetzung. Meine Idee war es ursprünglich eine eingleisige Strecke an einem steilen Berghang darzustellen, natürlich mit Brückenüberquerung über einen wildetosenden Fluss.
Allerdings fande ich bei meinen Recherchen über den Big Boy heraus, das diese romantische Vorstellung nicht zur Wirklicheit passt. Der Big Boy fuhr nur auf einer Strecke und die war zweigleisig und führte oftmals eher durch Täler oder die Prärie. Also habe ich mir die Mühe gemacht und die ganze Strecke über Google Maps nachvollzogen, bis ich an einer Stelle ankam, die mit einer großen Brücke über einen Fluss führt. Und tatsächlich fande ich nach fast einer Stunde suchen eine Stelle, die meiner ursprünglichen Idee recht nah kam. Eine Brücke die über den Weber River führt.
Zu meinem Vorteil gab es sogar Fotos über Street view, so das ich einen perfekten Einblick erhielt.
Jetzt habe ich angefangen die erforderlichen Komponenten zusammen zu suchen und die Platzverhältnisse zwischen Big Boy meiner Wohnung und meiner Idee unter einen Hut zu bekommen. Herausgekommen ist eine Basis von 60x20 cm.
Eine passende Brücke fand ich von der Firma Noch in einem Eisenbahnladen. Die Gleise habe ich aus mehreren Dampfloksets BR01/BR43 von Revell entnommen (5 Stück Gleise an der Zahl), da diese Gleise schön detalliert sind.
PS: Bitte liebes Revell Team: Wir wollen mehr 1:87 Dampfloks oder sogar mal 1:35?! :-)
Zwischendurch habe ich noch 2 Güterwaggons der Firma Athearn (ich wollte eigentlich nur einen, aber die gab es bei mir nur im Doppelpack) und einen sogenannten "Caboose" ersteigert. Ein Caboose ist ein Beobachtungswagen, der am Ende eines endloslangen Güterzug hing, um zu überwachen, das nix verloren geht.
Nachdem ich alles zusammen hatte, machte ich erstmal eine Stellprobe, ob alles zusammen passt.

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Die Brücke habe ich in 2 Teile zersägt und die Landschaft mit Styropur vorgebaut. Für eine erhöhte und gerade Position des Gleisbetts legte ich aus Balsaholz eine Basis und klebte sie auf die Landschaft fest.

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Über das Styropur habe ich in Weißleim getränkte Zeitung gelegt und darüber Gips verteilt und zur einer Landschaft modelliert. Vor dem Aushärten noch Sand drüber gestreuselt um einen Wüstenartigen Eindruck zu erhalten.
Das Ganze nach dem Aushärten mit der Airbrush in verschiedenen Sand- und Erdtönen besprühen. Das Flussbett wurde mit Lederbraun eingefärbt.

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Als nächstes habe ich mich dem Fluss zugewandt. Dazu modellierte ich "Wild River Water" von Ammo of Mig, versteckte noch ein paar Steine im Flussbett...
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...und "pflanzte" nach dem Aushärten Gräser in den Uferbereich.

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Mittels Grünzeugs aus dem Eisenbahnzubehör pflanzte ich noch Gräser auf den Rest der Landschaft. Kurze Gräser und Büsche aus Irisch Moos und Blattwerk der Firma Noch komplettieren den Bewuchs auf meiner Prärielandschaft. Danach klebte ich die beiden Brückenteile mit der Heißklebepistole fest.
Jetzt kam das Gleisbett dran. Dieses baute ich mir nach Anleitung unser Modellbahnkollegen nach. Auf die Balsaholzbasis und die Brücke klebte ich die vorgefärbten Gleisestränge. Darauf konnte ich den Modellschotter (Der seit 20 Jahren in meiner Sammlung liegt) mit einem kleinem Löffel und Pinsel super einfach von innen nach außen verteilen und das Ganze mit einem verdünntem Weißleimgemisch per Spritze fixieren.

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Die Gleise färbte ich noch mit verschiedenen verdünnten Farben ein und applizierte mit Hilfe eines stück Schwammes noch die Metallpaste von AK Interactive auf die Gleisoberseite. Trockenmalen der Schwellen komplettieren die Gleise.
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Zeit für die Waggons:

Für die typischen Union Pacific Slogans und Markierungen habe ich mir Decals von Microscale bestellt
Den Caboose musste ich neu lackieren. Dabei hat mir meine Tochter fleißig geholfen. ;)
Nebenbei erkennt man hier im Datum das erforderliche Halbzeitbild.
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In die Caboose habe ich noch 2 Figuren eingeklebt.
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Die Güterwaggons habe ich in Rot Braun lackiert und die Decals wie weiter oben beschrieben appliziert.
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für eine weitere farbliche Abwechslung habe ich einen Waggon in Silber blau lackiert.
Das Innenleben der "offenen" Waggons füllte ich mit allerlei was meine Sammlung so hergab.


Fertig:

Und zu allerletzt noch ein Beweisbild mit aktueller Zeitung und fertigem Diorama.
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Gruß Frank
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