Tiefziehvorrichtung

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alf03
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Registriert: Do 26. Feb 2015, 10:44
Wohnort: Graz

Di 3. Mär 2015, 10:41

Hallo Freunde,
ich habe ein bisschen im Internet gestöbert und habe ein paar gute Ideen zum Tiefziehen von Cockpithauben gefunden.

Hier bietet sich auch für Plastikmodellbauer, welchen mal ein Malheur passiert eine Möglichkeit, eine verunglückte Haube neu anzufertigen. Damit will ich euren Künsten jetzt nicht zu nahe treten, aber ich hätte sicher öfter das Problem mit Kleberpatzern, die von den Klarsichthauben wohl nie mehr wegzubringen sind.
Für Problemfälle:
http://www.kpfilms.com/de/advantage/thermoforming.asp

Schaut euch das mal an!

Ich habe meine Tiefziehvorrichtung im Din A4 Format gebaut und werde nicht mit dem Backrohr, sondern mit einer Heißluftpistole arbeiten, meine herzallerliebste und beste aller Ehefrauen würde wahrscheinlich so
Bildreagieren, wenn ich in der Küche auch noch Mist mache ;) .

Das einzige was wirklich Kosten verursachte war das Lochblech und da habe ich nicht gespart. 2mm Niroblech gelocht in A4 Größe waren aber mit
15 Euro auch nicht teuer und das ist für meinen Staubsauger (Nass-Trockensauger 1,4KW Leistung) stabil genug.

23 Euro hätte ich im Baumarkt für ein dünnes Alublech hinlegen müssen und da wären dann halt 3/4 übrig geblieben.
Also lieber in einer Schlosserei nachgefragt und etwas wirklich stabiles zuschneiden lassen.

Der Rest ist Rest, nämlich Spanplattenreste die bei vielen Bastlern in der Werkstatt meist ungenutzt herumliegen. Wenn nicht.... in den meisten
Baumärkten findet man beim Holzuschnitt Reste zum Nulltarif oder um ein paar Cent.

Auch ein Polokalrohr 40mm war in meinem Fundus noch vorrätig. Allein die Reduziermuffe 40/30aus Gummi musste ich zukaufen, damit das Rohr des
Staubsaugers dicht sitzt.


Schönheitswettbewerb will ich mit der Kiste keinen gewinnen......
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...Auch mit dem Rahmen nicht...
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...aber die Kiste erfüllt ihren Zweck und die Gier ließ keine Wohnzimmertaugliche Ausführung zu
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Im Prinzip läuft das Tiefziehen ganz einfach ab. Form auf das Lochblech legen, Folie in den Rahmen spannen und den Rahmen auflegen. Die Klammern spannen die Rahmenplatte schon mal vor. Staubsauger an die Kiste anschließen und einschalten die Folie mit einem Heißluftgebläse auf Mittelstufe langsam und gleichmäßig erwärmen bis man merkt, dass sich die Folie dehnt und sich der Rahmen langsam senkt. Der Sog des Saugers kommt mit dem sinken der Rahmenplatte immer mehr zur Wirkung, bis sich die Folie nun an der Lochplatte festsaugt. Erwärmen beenden und Sauger bis zum Abkühlen der Folie laufen lassen. (15 bis 20 Sekunden müssten reichen)

uuuuund...fertig! Das wird übrigens die Haube für das Gelimodell Nr. 40 Sukhoi "Fishpot"
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Auch wenn man alles kaufen muss, weil man nichts an Restmaterial zu Hause hat, kann man diese Box um unter 20 Euro realisieren


Erste Berichte von den Tiefziehversuchen:

Overheadfolie: :(

Von der Härte her ideal, aber der Schmelzpunkt dürfte das Problem sein. Obwohl sie sehr zäh ist, kippt sie in der Aufweichphase schlagartig auf zu weich um und das wars dann, die Folie reisst.

Aktenhüllen:

Die Hüllen eines Büromitteldiskonters Marke "STAPLES" gehen solala. Etwas zu weich und schlabbrig. :(

Aktenhüllen von "BENE" sind bisher das Idealste. Annähernd gleich hart wie Overheadfolie aber gute Eigenschaften beim Erhitzen. :D


Verpackungsmaterial recyclen!!!

Also ich schmeiße keine geeigneten Verpackungen mehr weg, ohne sie zum Tiefziehen ausprobiert zu haben. Wenn nur ein flaches Teil davon in der
Größe von mind Din A6 herausschneidbar ist, wird die Verpackung einem Test unterzogen.

Kunststoffbox in welcher vier Faschingskrapfen verstaut waren: :D
Geht super zum Ziehen, allerdings muss man vier Krapfen verdrücken um an ein
kleines Stück Folie zu kommen. Für meine Statur also eher nur im Ausnahmefall verfügbar.


Petflasche: :(
Ok: Eine Flasche gefunden und Probiert: Fehlanzeige, die verhält sich gleich wie Overheadfolie. Zumindest mit dem Heißluftgebläse wird das nix.

Wie man merkt, liebe ich solche Recyclingversuche. Da bin ich vom Drachenbauen vorbelastet. Es ist eine wunderbare Sache, Kindern zu zeigen, wie man ohne Geld oder zumindest minimalsten Ausgaben einen Drachen bauen kann. (Die von Papa "geborgte" oder spendierte Angelschnur oder Mamas starker Zwirn als Leine wird nicht als Ausgabe angesehen....). Darum liebe ich ja auch Gelimodelle, sie haben in Bezug auf Kosten ja einen ähnlichen Charakter.

Inzwischen bin ich draufgekommen, dass die Lochplatte lieber nicht aus Metall sein sollte, das nimmt zuviel Wärme weg.
Bei kleinen Teilen kein Problem, aber bei größeren Formen ist das von
Nachteil. Ich werde da sicher eine Lochrasterplatte aus einem weniger
wärmeleitfähigem Material probieren müssen.

Die Tiefziehformen anfertigen:

Am Beispiel der Me 163 von Geli zeige ich nun das Anfertigen der Tiefziehform:
Zuerst kopiere ich den zugehörigen Spant und hebe Spant und dessen "Umfeld" auf.
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als nächstes wird eine Kopie der Haubenteile vorereitet
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Die Teile werden etwas großzügiger ausgeschnitten und in Form gebracht
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Die "Saumzugabe" bewirkt, dass die Gießform höher als die Haube wird. Beim Tiefziehen bleibt an der Bodenkante immer eine Wölbung übrig und die rutscht dadurch nach unten in den "ungefährlichen Bereich"

Die Kartonhaube wird nun zwischen den Spant und dessen "Umfeld" eingeklebt, damit ist die Form der Haube schon mal gegeben.
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Jetzt wird noch das gesamte Umfeld durch eine Einzäunung abgestützt, damit sich beim Gießen nichts mehr verformen kann.
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Die Form ist fertig und muss nur mehr mit Superkleber wasserfest und starrer gemacht werden.
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Die Oberfläche der Form wird beim aushärten des Klebers etwas rau, daher empfiehlt sich, die Form mit feinem Schmirgelleinen zu glätten.
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Als Gießmasse bieten sich Formgips oder Keramikmasse an.
Ich bevorzuge Keramikmasse, sie ist härter und daher etwas nachsichtiger beim Verschleifen, Man kann auch Kunstharz verwenden, aber das ist eine elendige Patzerei und der Gestank ist auch nicht ohne. Der Vorteil, Kunstharz lässt sich schön polieren und das gibt eine wunderbar glatte Haube.

Die Keramikmasse sollte laut Beschreibung aus einem Teil Wasser und aus drei Teilen Pulver angesetzt werden. Ich mache die Masse lieber dünnflüsiger (1:2 - 1:2,5)

Die Verarbeitungszeit erlaubt ein bedächtiges Durchmischen, so gibt es weniger Luftblasen in der Masse. Langsames Einstreuen des Pulvers verhindert Klumpenbildung und erleichtert das durchmischen. Bei Gips verlängert das sogar die Verarbeitungszeit
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Das ganze kann ruhig ruhen, bis das Wasser vom Pulver aufgesogen wurde und sich eine rissige Oberfläche bildet
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Die Konsistenz der Masse ist ideal, wenn sie zwar zähflüssig ist, aber durch vorsichtiges rütteln noch verfließt
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Man sollte vorsichtig so lange rütteln, bis die in der Masse eingeschlossenen Luftblasen aufgetaucht sind, so meidet man, dass sich Blasen an der Oberfläche der Form anhaften
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Das Bild ist verfärbt, um die Luftblasen besser sichtbar zu machen
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Die eigentlich zu dünne Mischung sollte genügend Zeit zum Aushärten haben. Am Besten über Nacht stehen lassen.

Jetzt wird der ausgehärtete Gipsduß aus der Form geschält.....
[url='http://abload.de/image.php?img=pict8311cmrsn.jpg']Bild
...und verschliffen
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Vom ersten Rohabdruck ziehe ich gleich mal eine neue Gießform,...
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Jetzt sieht man am Boden, warum die Form höher sein soll, als die Haube im Endeffekt wird
[url='http://abload.de/image.php?img=pict8316cxuhl.jpg']Bild

Ganz ohne Wölbung im Bodenbereich geht es nicht und diese Wölbung muss auserhalb des Fensterrahmens zu liegen kommen.

Rohform und zweiter Aufguss
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An der Rohform zeichne ich den Rahmen an und lege die Haube drüber. So kann der Rahmen unfallfrei aufgeklebt werden
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Uuuund passt
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Liebe Grüße,
Heinz
Im echten Manne ist ein Kind versteckt. (Friedrich Wilhelm Nietzsche]
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