Geli Spitfire, ein Geburtstagsflieger

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alf03
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Do 26. Feb 2015, 13:47

Hallo liebe Freunde!

hier möchte ich mein Erstwerk zeigen, welches im Zuge einer Neuentflammung des berüchtigten Kartonbauvirus entstand.
Es muss sich um einen sehr resistenten Virenstamm handeln, denn die Erstinfektion fand schon in der Kindheit statt.
Ein kurzes Aufflackern in den frühen 90ern und jetzt wieder. Das heißt, dieses Modell wurde 2010 gebaut und dank Computer von mir umgestaltet.
Ich wollte damit meinem besten Freund eine Überraschung zum 50sten Geburtstag bereiten.

Hier mal die Bögen im Originalzustand (die Bilder sind aus Urheberrechtlichen Gründen Verzerrt)
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Man sieht hier schon wie bei vielen anderen Geli-Fligern, dass das Modell wohl eines der letzten war, welches aus der Druckmaschine der Klagenfurter Modellschmide kam. Der Altmeister Karl Wittrich hat sich inzwischen zur Ruhe gesetzt. Nach langedauerndem Stillstand werden die Modelle nun wieder neu aufgelegt und derzeit gibt es 18 neuerschienene Modelle in bester Qualität.

Für die Vorstellung meiner "Interpretationen" in den Foren habe ich die freundliche Genehmigung der neuen Rechteinhaber bekommen.

und nun das, was ich daraus gemacht habe:
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Einen echten Baubericht gibt es hier nicht, nur die Bilder des fertigen Modells.
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Jedem, der mit Flugzeugmodellen aus Karton in dieses wundervolle Hobby einsteigen will kann ich nur empfehlen, mit dieser Modellserie oder ähnlich konstruierten Modellen zu beginnen.
Relativ geringer Bauaufwand bei sehr hohem optischen Eindruck. Im Schwierigkeitsgrad ist gibt es Für Einsteiger und Fortgeschrittene alles. was das Herz erwärmt 8-)

Liebe Grüße,
Heinz
Im echten Manne ist ein Kind versteckt. (Friedrich Wilhelm Nietzsche]
Ebiwan
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Do 26. Feb 2015, 16:18

Hallo Heinz,

das Ergebnis ist schön geworden und hat Deinen Freund sicher sehr erfreut. Aber der Bastelbogen (nennt man das so?) kann mich nicht überzeugen. Ich habe echt Probleme, aus dem Ergebnis eine Spitfire zu erkennen. Da fehlt mir z.B. ganz besonders die gewölbte Kanzel und die typische Form der Motorpartie mit sehr gerader Oberkante und gewölbter Unterkante.

Ich versuch mal, das mit meinen nicht vorhandenen Zeichenfähigkeiten zu verdeutlichen: Schwarz so wie in meinem Kopf eine Spit aussieht, rot das was ich an dem Modell sehe.
Unbenannt.jpg
Unbenannt.jpg (68.6 KiB) 2023 mal betrachtet
Das schmälert natürlich nicht Deine Leistung, Du kannst ja nix dafür, das der Blindenhund des Herstellers nicht geknurrt hat :P

Gruß
Eberhard
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alf03
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Do 26. Feb 2015, 18:52

Servus Eberhard,
erstmal..deine Zeichenfähigkeiten sind schon in Ordnung, ich erkenne genau was du meinst.
da hast du völlig recht, aber:
Wer Geli-Modelle baut muss mitunter Darstellungen hinnehmen, die nicht exakt der Realität entsprechen.
Die Spitfire ist ein sehr frühes Gelimodell, wurde nahezu 1:1 von einer Konstruktion des NSFK übernommen und kaum geändert.
Das NSFK ließ diese Modellefür den Anschauungsunterricht konstruieren, um damit die Unterscheidung von Feindfliegern zu den eigenen leichter zu machen. Da ging es bloß um denden Erkenungswert und mehr nicht (wohl hauptsächlich die Ansicht von oben und Unten).
Meine Interpretation der Spitfire enspricht in der Konstruktion 1:1 dem Gelimodell und wurde 2010 wie konstruirt gebaut.
Heute würde ich wenigstens eine Cockpithaube tiefziehen, der Höcker fehlt mir auch.
Ich habe sogar einen Nachdruck des Urmodells auch schon gebaut und werde es "aus gegebenen Anlass" in Kürze vorstellen.
Das werde ich gleich an diesen Bericht anhängen, da passt es recht gut her.
Auch bei der Geli Me 109 gibt es einige Differenzen zum Original, du wirst es sehen, wenn ich sie vorstelle.

Es gibt am Kartonbausektor sicher realistischere Modelle, aber Gelimodelle haben in Österreich so etwas wie einen Kultstatus.
Da drückt man schon oft und gerne ein Auge zu :lol:

Liebe Grüße,
Heinz
Zuletzt geändert von alf03 am Do 26. Feb 2015, 20:11, insgesamt 1-mal geändert.
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alf03
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Do 26. Feb 2015, 19:47

Hallo Freunde!
Hier ist die Ur-Spitfire aus der Werkstatt von Marian Szymaniak vom Kartonodellmuseum Heidelberg. Marian hat mir freundlicherweise vor der Herausgabe des Modells ein druckreifes PDF zum Probebau zukommen lassen.
Bei der Spitfire handelt sich um eine Konstruktion von Heiner Crossberger, der in den Kriegsjahren für das NSFK tätig war. Marian hat eine Reihe der NSFK-Modelle zu neuem Leben erweckt und reproduziert. Statt des eher unvorteilhaften Format der NSFK-Bögen stieg Marian auf ein wesentlich handlicheres Din A4 Format um.

Die Bogenbilder (aus Urheberrechtlichen Gründen verzerrt):
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Besonders auffällig ist eine sehr große Ähnlichkeit zu den Konstruktionen von Herrn Wittrich, der 1954 mit der mit der Produktion und Vermarktung der uns so liebgewordenen GELI-Modelle begann.

Hier eine Ansicht der Rumpfteile beider Bögen: links die Teile der Reproduzierten NSFK Spitfire, rechts die
Analogen Teile des Geli-Modells
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Der Hauptunterschied liegt in der Verbindungstechnik. Herr Wittrich hat gelialerweise die Verbindungen über eingenständige laschen hergestellt, womit ein bündiges Verbinden der Teile sehr gut möglich ist.
Na gut, die Modelle Herrn Wittrichs sind auch für den geneigten Kartonmodellbauer gedacht.

Beim NSFK wurden die Modelle für den Anschauungsunterricht verwendet, um eine Identifizierung der Flugzeuge der Alliieten leichter zu erlernen,
da ist es wurscht, wenn es weniger ansehliche Überstände gibt.

Mit Teil 1 wird begonnen
Soooo schlimm ist es gar nicht, wie ich befürchtet habe. Spant/Lasche
wär mir zwar lieber, aber es ging leichter von der Hand als ich erwartet
habe.

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Man sollte unbedingd die Kanten vor den Laschen eher ein bisschen tiefer vorritzen.....
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...dann lassen sie sich schön an den Spant anlegen.
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Es ist auch kein Problem, wenn die Laschen durch zu tiefes Ritzen an- oder gar ababbrechen, der Kleber hält das dann schon zusammen. Wichtig ist bei Spant an Spant-Technik, dass die Spanten genau an der Stirnseite sitzen.

Bei den paar Rumpfteilen kann man getrost alles vorher ausschneiden, die Teile können in diesem Fall noch leicht zugeordnet werden
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Die Spanten sollten etwas großzügiger am Aussenrand der Linie ausgeschnitten werden, denn bei Spant an Spant-Technik sollten sie Exakt in die Rumpfhülse passen.
Die genaue Anpsssung macht man am besten mit Schmirgelpapier oder noch besser mit Muttis Nagelfeile (entweder Mutti fragen oder beim Ausborgen
nicht erwischen lassen :rolleyes: ...)

Wie auch in der Bauanleitung zu lesen ist, ist es ratsam, die Spanten auf einer glatten Unterlage zu verpressen.
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Den gegenüberliegenden Spant vorerst ohne Kleber eine Spur zu tief in den Zylinder schieben.....
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..und erst dann den Kleber auftragen,.....
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.....dann kann man ihn mit einem Rundstab, Bleistift oder ähnlichem sauber verpressen.

Jetzt zeigt sich auch die Sinnhaftigkeit der Löcher in den Spanten
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Die Teile sollten gut durchtrocknen, denn........
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...die einzelnen Rumpfteile dürften sich trotz Sorgfalt nicht ohne unschöne Spalten wie anfangs geglaubt, aneinanderfügen lassen. Ich werde die Stirnseiten nach dem Trocknen also mit einem Schleifklötzchen planschleifen.

Ein wenig "vorgeschliffen" habe ich schon, aber die Teile waren noch zu feucht
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Die Leitwerksteile sind sehr spartanisch mit Klebelaschen versehen. Allein beim Seitenruder sind ein paar laschen auf der Unterseite, beim Höhenruder gibt es praktischerweise an der Verbindungsstelle zum Rumpf welche. die Teile müssen stumpf aneinandergeklebt werden und eine Feintülle zum Auftragen des Klebers
ist sicher eine Empfehlung wert.
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Bei den Holmen für die Tragflächen war der Konstrukteur hingegen großzügiger Herr Crossbeger hat die Tragekonstruktion komplett anders als später

Die Lösung Herrn Crossbergers bedeutet zwar mehr Arbeit, aber dafür verwinden sich später dann die Tragflächen nicht so leicht.
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Mit einem Mittelstück werden die beiden Tragflügel miteinander verbunden und später dann von unten auf den Rumpf geschoben
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Wieder ist gut trochnen lassen angesagt, die Zeit kann man sich mit dem Vorbereiten der restlichen Kleinteile vertreiben.
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Meine anfänglichen "Ängste" bezüglich Spant/Spant- Verbindungen und der im Verhältnis zur Geli- Spitfire aufwändigen Tragflächengestaltung haben sich als unbegründet erwiesen. Es ist halt etwas mehr Arbeitsaufwand, weil man eben mehr Spanten ausschneiden muss und die Teile dann aneinander anpassen muss.

Die über die Kante gezogenen Laschen führen ohne planschleifen eben doch zu unschönen Spalten......
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.......aber mir der von Mutti "geborgten" Nagelfeile......
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...hat man ein wunderbares Werkzeug zum Nachbearbeiten.
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Es ist halt eine Frage der Geduld, denn zu viel darf man nicht abtragen. Der Rest kann mit Acrylfarbe aus der Tube "verkittet" werden
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Mit zunehmender Distanz zum Objekt wird der Gesamteindruck im Quadrat besser......
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Auch der Anbau der Tragflächeneinheit gestaltet sich unproblematisch
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Für das Anfügen am Rumpf sind im Gegensatz zur Geli-Spitfire extrateile vorhanden. Das ist ein großer Vorteil, weil man mit Unregelmäßigkeiten leichter klar kommt.

Der Blick auf die "roh" angebaute Tragflächeneinheit.......
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...und die zugehörige untere Abdeckung.
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An der Abdeckung sind die Bezeichnung und einige Datendes Flugzeuges aufgedruckt, ein weiteres Zeichen für den ursprünglichen Verwendungszweck der NSFK-Modelle

Jetzt nur mehr die restlichen Kleinteile an den Bauch geschnallt, Propeller montiert und.........
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Wie gesagt, das ist ein Vorabentwurf auf einem Laserdrucker ausgedruckt. der Glanz ließ sich trotz "rauer" Lackierung nicht ganz wegzaubern.
Die Retrobögen sind wie es gehört matt.
Ich gebe zu, es hat mich schon gewaltig in den Fingern gejuckt, den Pilotensitz der Geli-Spitfire einzubauen und die Cockpithaube zu
verglasen.
Das gilt auch für das Fahrwerk und den Spinner samt Propeller. aber dann wäre es ja ein Geli-Modell geworden und nicht wie vorgesehen ein
NSFK-Modell.
Ich habe mich also beherrscht, und das Modell so gebaut, wie es vom Konstrukteur Heiner Crossmann vorgesehen war.

Ich danke für die Aufmerksamkeit :)

Liebe Grüße,
Heinz
Zuletzt geändert von alf03 am Fr 27. Feb 2015, 09:28, insgesamt 2-mal geändert.
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alf03
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Do 26. Feb 2015, 20:26

Hallo nochmal,
so..jetzt glaube ich eine gute Ausrede gfunden zu haben, was die Wölbung an der Nase betrifft :D :
Ja klar, das ist ein Problem, welches es bei Plastikmodellen nicht gibt. So eine Wölbung ist bei einem Kartonmodell sehr schwer nachbildbar!
Da müsste Papier übers Kreuz in zwei Richtungen gewölbt werden und das geht nicht so recht. Das wäre nur über unzählige Kartonringe realisierbar und dann schaut es auch nicht sonderlich gut aus, es würde nie eine Wölbung draus werden sondern ein kantiger Kompromiss.
Liebe Grüße,
Heinz
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panzerchen
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Do 26. Feb 2015, 22:08

Oh ja die Krümmungen.
Die Kernschwäche des Kartonbaus.
Damit muß man leben, oder Vorbilder ohne solche aussuchen.

GELI sind nicht nur in Österreich Kult, auch viele eingefleischte deutsche Kartonbauer haben da einen Faible.
Man muß ihre Vereinfachung mögen....ich gehöre allerdings nicht zu den Fans.
Gerühmt wurde GELI unter den Hardcore Kartonbauern für die Bedruckung in "Naturmetall".

Interessant die historischen ( !!! ) Ausführungen zum Ursprung, hier in D tut man sich allerdings mit der ( sachlichen ! ) Erwähnung des NSFK schwer.
Ich selber hatte übrigens in meiner Jugend, so rund vor 55 Jahren, von einer Tante einen Bogen einer Messerschmitt 109 aus "dieser Zeit" geschenkt bekommen, den ich dann auch gebaut hatte.
Vielleicht derselbe Ursprung ???
Es könnte eine B, C, oder D gewesen sein.
Übrigens auch eine Junkers W 13.

Bei den Wilhelmshavener Modellbaubögen wurden die Rumpfsegmente stumpf zsammengeklebt, auch die Spanten wurren stumpf eingeklebt.
Dadurch waren die Montagestöße schön bündig !
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